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1. September 2008 von

Es ist wieder Wahlkrampf bei uns in Bayern, und deshalb muss die Regierungspartei die alten Feindbilder pflegen. Nachdem letzte Woche zum Kreuzzug gegen die Linken aufgerufen wurde, stehen diese Woche die Killerspiele auf der Abschussliste der CSU. Aber schon allein dieses Wort Killerspiel, impliziert dies nicht, dass man dessen Konsumenten für potentielle Mörder hält?

Da ich selbst aktiver Killerspiel Egoshooter-Spieler* bin, fühle ich mich natürlich durch diese wiederkehrenden Hetzkampanien persönlich betroffen und werde deshalb diesen neuerlichen Angriff nicht unkommentiert lassen.

Schon vor der letzten Verschärfung zum 1. Juli hatten wir in Deutschland eines der strengsten Jugendschutzgesetze der Welt, aber das reicht unserem Innenminister nicht. Er möchte auch den über 18jährigen das Recht absprechen, selbst zu entscheiden, ob sie sich einen Egoshooter kaufen wollen. Als Machwerke von abstoßender Brutalität und Grausamkeit bezeichnet er die Killerspiele, aber ist nicht unser ganzes Leben geprägt von Brutalität und Grausamkeit? Beispiele hierfür erspare ich mir an dieser Stelle lieber, da dies sonst nur in kontraproduktiver Polemik endet. Aber Killerspiele sollen die einzige und alleinige Schuld an der Verrohung der Gesellschaft tragen? Man mag es mir als Spitzfindigkeit auslegen, aber meines Wissens nach wurde noch nie ein Mensch durch ein Killerspiel getötet, es waren stets echte Waffen, die sich zum Teil im legalen Besitz der Täter befanden. Dass Gewalttäter bestimmte Spiele besaßen, will ich gar nicht abstreiten, aber man sollte die Kausalität nicht verdrehen. Der Besitz der Spiele war ein Symptom, keine Ursache der Gewalttätigkeit. Man kann aus dem bloßen Besitz von Counterstrike und Co. keinen Hang zur Gewalt ableiten.

Damit ich nicht falsch verstanden werde, ich finde es prinzipiel schon in Ordnung dass Kinder und Jugendliche sich nicht jedes Spiel kaufen können, und die FSK leistet meiner Meinung nach gute Arbeit, aber sobald Volljährigen der Kauf verwehrt wird, ist das Bevormundung und nicht Schutz. Dass E-Sport Andererorts gesellschaftlich anerkannt ist, und Pro-Gamer mit dem computerspielen richtig Geld verdienen, dass also Computerspiele einen nicht unbedeutenden Wirtschaftszweig darstellen, ist leider in den Köpfen manch Ewiggestriger noch lange nicht angekommen. Stattdessen wird lieber mit Polemik und Killerphrasen die Gesellschaft polarisiert.

*Mitglied des Supernature-Clan, aka [SNC]El*Cattivo, UT+UT04+UT3

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Der Beitrag wurde am Montag, den 1. September 2008 um 19:45 Uhr veröffentlicht und wurde unter Politisches abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

3 Reaktionen zu “Die CSU und die Killerspiele”

  1. StoiBär

    OT: Ich glaubs ja – Du spielst UT? Wir sind zwar mittlerweile eher in Richtung CoD abgedrifftet, UT ist aber auch noch einer unserer Favorits! Guck doch mal auf http://www.lan-shooters-neusath.de. Hast Du evtl. Bock demnächst mal zu kommen? Wir spielen im Schnitt einmal im Monat samstags bei mir im Keller. Der ist LAN-PArty gerecht eingerichtet und da passen 12 Mann rein.

  2. Alex

    Zur Zeit spiele ich nur noch Freitags CTF und manchmal Sonntags TDM auf unserem Clanserver, und wäre ich nicht im SNC würde ich wohl schon lange kein UT mehr spielen. Die Samstage sind dann meistens bei mir auch anderweitig verplant, sorry.

    Vor 2, 3 Jahren hätte ich wohl noch zugesagt.

  3. Petition gegen ein Computerspielverbot | Noch so ein Blog

    […] Seit ein paar Tagen gibt es eine weitere wichtige ePetition. Sie richtet sich gegen die öffentliche Diffamierung von Action-Computerspielern als sogenannte Killerspieler und gegen ein Herstellungs- und Vertriebsverbot der Killerspiele. Auslöser dieser Petition war ein Beschluß der Innenministerkonferenz vom 5. Juni, unter besondere Bezugnahme auf den Amoklauf von Winnenden. Es ist ja auch so einfach, auf die Minderheit der Computerspieler verbal einzudreschen, um sich so bei der übrigen Bevölkerung als Retter der Menschheit aufspielen zu können. Was ich selbst von einem Killerspielverbot halte, habe ich hier schon mal geschrieben. […]

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